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Immer mehr Kinder fallen kriminell auf 

Aachen laut Polizeistatistik 2025 sicherer – mit Ausnahmen

Es ist nur ein eher „kleines“ Delikt unter den Straftaten in Aachen – Fahrraddiebstahl. Aber eines, welches die Polizei immer erfolgreicher bekämpft. Die Zahl der Fahrraddiebstähle hat sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als halbiert, von rund 2.900 im Jahr 2021 auf knapp 1.400 Fälle im vergangenen Jahr. Eine Ursache: Die Einrichtung der besonderen „Ermittlungsgruppe Bike“. 

Die „EG Bike und City“ (wie sie aktuell heißt) profitiert auch davon, dass es sich in Aachen insgesamt weniger gefährlich lebt als in den Vorjahren. Auf den Straßen, in den Häusern und Wohnungen lebt man sicherer vor Diebstahl, Einbruch, Übergriffen, so auch in Geschäften oder Kneipen und selbst ‚im Internet‘ ist es etwas sicherer sozusagen, weil Internetbetrug, Enkeltrick und ähnliches trotz spektakulärer Fälle zurückgegangen sind. Entgegen einem vielfach geäußerten Bedrohungsgefühl: Straßenkriminalität sank seit 2016 um mehr als ein Drittel. Ausnahmen bei den Tatorten gibt es auch: Abgestellte Fahrzeuge in Parkhäusern wurden häufiger aufgebrochen und in den Schulen geht es nochmal handfester zu.  

48.000 Straftaten – Zehn-Jahres-Rekord bei Aufklärung

Generelle Bilanz der jetzt vorgestellten Kriminalstatistik für 2025: Leichte bist deutliche Rückgänge der Fallzahlen bei Eigentumsdelikten, Betrug, Raub, Wohnungseinbrüchen oder Rauschgift; unter dem Dach einer insgesamt leicht sinkenden Gewaltkriminalität (Mord, Totschlag, Vergewaltigung u.a.) gab es dagegen einen spürbaren Anstieg bei Körperverletzung, Messereinsätzen und Graffiti/Sachbeschädigung. Insgesamt zählt die Kriminalstatistik 2025 für Aachen und die Städteregion 48.268 Straftaten. Sechs von zehn hat die Polizei aufklären können. Zehn-Jahres-Rekord. 

Die Aufklärungsquote bei den Delikten ist dabei sehr unterschiedlich. Nahezu 100 Prozent bei Mord und Totschlag und sehr hoch bei Gewaltkriminalität, hoch auch bei Körperverletzungen („Die da in Streit geraten, kennen sich meist und wir die dann auch“), sehr gering mit rund 16 Prozent immer noch bei Wohnungseinbruch. Die Polizei profitiert hier immer mehr von guter Videoüberwachung zuhause. ‚Reisende Einbrecher‘ werden konsequenter als früher mit europäischem Haftbefehl verfolgt und auch immer häufiger geschnappt. 

„Täterorientierte Ermittlungen“

Das Erfolgsrezept für die EG Bike heißt „täterorientierte Ermittlungen“. Es gab 2025 knapp 1.400 Anzeigen über Zweiradklau, rechnerisch knapp vier am Tag. Die „täterorientierten Ermittlungen“ sorgten hier einen hohen Fahndungsdruck. Was für Laien als Kern einer ‚Verbrecherjagd‘ selbstverständlich klingt, macht in der Arbeit der Kripobeamten einen wichtigen Unterschied. Für Fahrradklau gilt zwar der Satz, Gelegenheit macht Diebe. Aber nach dieser Gelegenheit halten vor allem immer wieder dieselben Diebe Ausschau. „Wir kennen unsere Leute. Sie machen die Masse der Täter aus und gegen die gehen wir konsequent vor“, erläutert der Chef der EG Bike und City, Matthias Freerks. Neben klassischer kriminalpolizeilicher Spurenauswertung beispielsweise mit präparierten Lockfahrrädern, aber auch mit Öffentlichkeitskampagnen. Mit dem Ergebnis, dass die Diebstahlszahlen jetzt halb so hoch sind wie 2021. „Ein Fahrradschloss benötigen Sie aber weiterhin. Sonst reißt das wieder ein“, mahnt Freerks.  

Kriminelle Zeitgenossen – mutmaßlich

Die Chance, in der Städteregion Aachen einem mutmaßlichen Straftäter zu begegnen, ist im Übrigen gar nicht so klein. Bei rund 585.000 Einwohnern und 21.300 Tatverdächtigen beträgt rein rechnerisch die Wahrscheinlichkeit 1:27,5. Das heißt, in einem vollen Bus mögen schon mal ein oder zwei Zeitgenossen mitfahren, die aufgrund verschiedenster Taten nähere Bekanntschaft mit der Polizei gemacht haben. Rein rechnerisch: Von 100.000 deutschen Einwohnern werden laut Polizeistatistik zwei Prozent tatverdächtig (absolut 1.949 Personen), von 100.000 nichtdeutschen Einwohnern rund vier Prozent (absolut 3.984).  

Bei allen positiven Entwicklungen bilanzierte Andreas Bollenbach, künftiger Polizeipräsident für Aachen, die Lage eher besorgt: „Mehr Messer, mehr Körperverletzung – die Gesellschaft wird auch ein Stück weit gefährlicher.“ Auffallend, dass auch Kinder und Jugendliche häufig als Tatverdächtige ge- und erfasst werden. Kinder sogar doppelt so häufig wie noch vor zehn Jahren. Die unter 21jährigen stellten – wie schon 2024 – im vergangenen Jahr fast ein Fünftel aller Tatverdächtigen. Jugendkriminalität fand dabei zum größten Teil in Form von Körperverletzung, Ladendiebstahl, Beförderungserschleichung („Schwarzfahren“) und Beleidigung statt.  

Über mögliche Ursachen der Deliktkarrieren bereits in jungem Alter kann man nur mutmaßen. Digitale Medien, die Gewalt als normal für den Alltag darstellen, Jugendliche in prekären Wohn- und Lebenssituationen, kulturelle Prägungen und ein Versagen von Schule oder Eltern mögen Faktoren dafür sein. Hier liefert die Statistik allerdings nur Zahlen und aus sich heraus keine Erklärungen.