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Nimmt Aachen die Olympia-Hürde?

Die Aachenerinnen und Aachener sind mal wieder vorne mit dabei. Mehr als 66.000 von ihnen hatten drei Tage vor dem Abstimmungsende ihre Stimme für oder gegen Olympia in NRW abgegeben – bei 185.000 Wahlberechtigten in der Kaiserstadt insgesamt. Das entspricht einer Rücklaufquote von 35 Prozent. Im NRW-Vergleich liegt Aachen damit nur knapp hinter Antwort-Spitzenreiter Köln (37%). Das Thema bewegt offenbar zwischen Sief und Soers, Haaren und Horbach, Eilendorf und Uersfeld.

Es geht um die Frage, ob Aachen sich für oder gegen Olympische Spiele in NRW ausspricht. Das will die Landesregierung von den Einwohnern von insgesamt 17 Kommunen im Land wissen: Soll sich NRW mit dem Konzept „KölnRheinRuhr“ um die Olympischen Spiele bewerben? Und nachfolgend die Paralympischen Spiele. Das können die Menschen selbst entscheiden. Ein Ja wäre als große Unterstützung aus der Bevölkerung für eine Olympiabewerbung zu interpretieren, ein Nein als Bestätigung einer weit verbreiteten Olympia-Skepsis.  

In Aachen, das sich gerne des schönsten, wenn nicht besten Reitstadions der Welt rühmt, könnten die Olympischen Reiterdisziplinen ausgetragen werden, Springen, Dressur, Vielseitigkeit. Auf dem benachbarten Tivoli die Spiele von Fußballnationalmannschaften der Frauen. Zur Abstimmung sind in den 17 Städten insgesamt gut vier Millionen Wahlberechtigte ab 16 Jahren aufgerufen. Die Ja- und Nein-Stimmen werden am Sonntag, 19. April, ab abends ausgezählt.

Zwei Hürden sind zu nehmen: Es reicht nicht, in der Abstimmung am Ende die Mehrheit zu haben. Sondern in Städten mit mehr als 100.000 Einwohner*innen müssen mindestens zehn Prozent der Wahlberechtigten teilgenommen haben. Das hat Aachen offenbar locker geschafft. Auch in den anderen Bewerberstädten scheint das kein Problem zu sein. Die niedrigsten bekannten Quoten liegen bei über zwanzig Prozent zurückgesandter Abstimmungsbriefe. Allerdings haben einige Städte wie z.B. Krefeld oder Gelsenkirchen keinen Zwischenstand veröffentlicht.

Die Abstimmung selbst kommt einem Ratsbürgerentscheid gleich und bindet die jeweiligen kommunalen Gremien. „Ja“ heißt mitbewerben, Nein heißt wir sind raus. NRW hofft auf ein 17faches Ja, jedes Nein schwächt die nordrhein-westfälische Initiative. Sollten gar Schwergewichte wie Köln, Düsseldorf, Dortmund oder vielleicht auch Aachen ablehnen, dürfte das auf nationaler Ebene das Aus aller Chancen bedeuten.

Ob sich Deutschland nämlich mit dem NRW-Konzept um Olympische Spiele bewirbt, entscheidet das Deutsche Olympische Komitee im Herbst. Auch Hamburg, Berlin und München haben ihren Hut in den Ring geworfen. Berlin hat dabei ganz weit in den Westen geschielt – die Hauptstädter sähen gerne die Reiterhauptstadt Aachen als ihren Austragungsort für Olympische Reiterspiele. Auch Hamburg steht im Ruf, einen ähnlichen Plan zu hegen. Nur München will alles in Eigenregie organisieren. Dort wurde bereits eine Wahlbeteiligung von 42 Prozent erreicht, zwei Drittel stimmten für eine Bewerbung der Bayern-Metropole. Für welches Olympia-Jahr sich Deutschland dann bewirbt, ist ebenfalls noch offen – möglich sind die Jahre 2036, 2040 oder 2044.

Hier fünf Gründe, warum Olympische Spiele in Aachen eine gute Sache sind, und fünf Gründe, warum das nicht der Fall ist.

Die TOP-5-Ja-Gründe

Ø  Olympia ist die größte Bühne auf dem Globus. Die Welt schaut nach Aachen, nicht nur die Reiterszene. Der Werbewert ist unbezahlbar. Stadt, Hotels, Handel und der Arbeitsmarkt werden finanziell profitieren, alle in der Region erleben das berühmte Olympia-Atmosphäre hautnah.

Ø  Für Olympia muss in Aachen so gut wie nichts gebaut werden. Die meisten Sportstätten sind schon vorhanden, die Reitanlagen in der Soers gelten weltweit als vorbildlich, auch der Tivoli ist länderspieltauglich. Zumindest in Aachen sind keine teuren (Fehl-)Investitionen zu befürchten.

Ø  Olympische Spiele werden 2036, 2040, 2044 auf jeden Fall stattfinden. In NRW bzw. Deutschland schaffen wir das nachhaltiger als andere Länder auf der Welt.

Ø  Olympische Spiele in Aachen werden die geplanten Großprojekte in der Stadt erheblich unter Erfolgsdruck setzen und beschleunigen. Olympische Spiele kommen der Realisierung der ohnehin geplanten Vorhaben Büchel-Umgestaltung, Kraftwerk im Bushof, Regiotram bis Baesweiler u.a. zugute.

Ø  Von Olympischen Spielen profitiert auch der Breitensport, der gesellschaftliche Zusammenhalt und das Ehrenamt werden gestärkt, weil Geld eben nicht alles bestimmt.

Die TOP-5-Nein-Gründe

Ø  Olympische Spiele sind in der Vergangenheit fast immer teurer geworden als vorher behauptet. Kosten-Schätzungen haben sich fast immer als falsch erwiesen. Die Erwartung, dass die Olympischen Spiele in NRW mit einem Gewinn abgeschlossen werden, ist nicht mehr als eine Hoffnung.

Ø  Auch wenn Bund und Land einen Großteil der Kosten übernehmen, bleibt ein nicht unerhebliches Restrisiko bei den Kommunen und Austragungsorten. So sind zum Beispiel die Kosten für Sicherheit und Realisation derzeit nicht verlässlich abzuschätzen. Die Sicherheitskosten außerhalb der Wettkampfstätten und der Personaleinsatz sind auf jeden Fall von den Kommunen mit zu bezahlen.

Ø  Olympische Spiele sorgen dafür, dass Geld in Prestigeprojekte fließt, statt in Schulen, Sporthallen und Wohngebiete. Auch der Breitensport könnte unter falschen Prioritäten leiden.

Ø  Auch die nachhaltigsten Spiele bewirken einen hohen Ressourcenverbrauch, man denke nur an die Anreise aus aller Welt oder die Umweltbelastungen durch den Wettkampftourismus zu den Sportstätten.

Ø  Wie sehr die Olympiastädte wirtschaftlich von den Olympischen Spielen profitieren, ist höchst strittig. So zeigen manche Studien, dass ‚normale‘ Touristen wegbleiben, die ohne Olympia gekommen wären. Ein langfristiger Nutzen des Olympiaruhms ist fraglich.

 Die Ergebnisse aus den 17 NRW-Bewerberstädten werden am Sonntag, 19. April, bei der zentralen Veranstaltung der Landesregierung in Köln zusammengetragen. Wie alle Vertreter der Bewerberstädte ist auch Aachens Oberbürgermeister Michael Ziemons dorthin eingeladen worden. Der WDR berichtet live im Radio und online sowie in einer Sondersendung ab 21.45 Uhr. Die Auszählung vor Ort in Aachen kann am besten über den Vote-Manager verfolgt werden, die Stadt über www.aachen.de anbietet. Weitere Informationen auf NRW-Ebene gibt es über https://olympiabewerbung.de und unter https://www.land.nrw/pressemitteilung/start-der-kampagne-fuer-die-bewerbung-koelnrheinruhr-um-olympische-und .  (itsME)